Multikulti für den Gaumen

03.05.2016  |  Artikel Druckversion

Multikulti für den Gaumen
von Michelle Spillner

Workshopreihe „Offenbach am Herd“ will die Stadt in ein anderes Licht rücken
Offenbach – das ist Multikulti und eigenwillige Architektur. Und Offenbach ist lecker – gerade wegen
Multikulti und eigenwilliger Architektur.

Hoch oben, im fünften Stock des Altbaus erwartet man die Maisonettewohnung mit der
Wendeltreppe und der Profiküche nun überhaupt gar nicht. „Genusswolke“ nennt Marina
Caktas ihr „Jam Lab“ (Marmeladen-Labor), in dem 15 Menschen, die sich noch nie zuvor gesehen haben,
nach 15 Minuten schon fröhlich plaudern und weitere zwei Minuten später nebeneinander in der Küche
stehen und Kräuter hacken. Es gibt „Offenbach-Pesto“ mit frischen Wildkräutern vom Offenbacher Markt.
Die Kochbuchautorin Susanne Reininger hat die Fremden gewissermaßen zusammengebracht. Sie hat
nun zum dritten Mal die Reihe „Offenbach am Herd“ gestartet, für die sie Partner wie die Käserei, den
Metzger, den griechischen Bäcker, die Sektkellerei, die Cafébar und eben auch das Jam-Lab gewinnen
konnte.

„Wir haben – gerade hier in Offenbach – so viele kulinarische Schätze, die die Leute nicht sehen, weil sie
ihre ausgetretenen Shopping-Pfade nicht verlassen“, sagt Reininger. Die Gewohnheit lenke die Schritte der
meisten doch immer wieder zum Discounter und zum Dönerladen um die Ecke, dabei hätten Markt und
internationale Köche in Offenbach jede Menge zu bieten. Für Reininger sind die Workshops auch
Völkerverständigung: „Miteinander klarkommen, das geht auch immer über Essen und Trinken.“
Auf Essen und Trinken, besser auf Kosten liegt der Schwerpunkt der Workshops. Es sind ausdrücklich
keine Kochkurse. In den eineinhalb Stunden können maximal 15 Teilnehmer hineinschnuppern in eine
kulinarische Welt, eine Kleinigkeit ausprobieren, ein paar Schätzchen kosten und ein paar Tipps mit nach
Hause nehmen. Das soll Lust auf mehr machen – auch auf das Mehr von Kollegen.
Marina Caktas hat Käse aus der Offenbacher Käserei besorgt und
Kostproben von den Offenbacher Wurst-Designern. Dazu gibt es frisches
Brot. Aber fürs Pesto müssen alle mit anpacken. Während die paar Damen
am Tisch noch über die Namen der Kräuter aus der Marktkiste grübeln,
schwingen Stefan Achterfeld und Ingrid Schäflein schon die langen Messer,
um die Kräuter zu zerkleinern. Wiegemesser? Davon hält Caktas nichts.
Meistens zerdrücke man die Kräuter nur, statt sie zu scheiden.
Der routinierte Umgang mit dem Küchengerät verrät Achterfeld schnell als Profikoch. Er arbeitet an einer
renommierten Adresse und lernt gerne Neues kennen. Den Schneide-Wettbewerb gegen die häckselnde
Küchenmaschine, die die andere Hälfte der Gruppe spontan anzettelt, verliert er nur knapp: „Dafür ist das
hier Handarbeit“, kommentiert er. Noch ein paar Handgriffe und das Offenbach-Pesto ist fertig – als
Pendant zur Frankfurter Grünen Soße.

Dann wird es still. Man isst, träufelt hier ein bisschen Pesto aufs Brot,
schnabuliert da ein wenig Käse. Caktas holt auch noch ein paar Gläschen
aus ihrem Sortiment heraus. „Grillsoße für alles“, und für wenige Minuten,
dann ist das Glas schon leer gemampft. Wohlige Atmosphäre. Lächelnde
Gesichter. Zufriedenheit. Reininger und Caktas blicken sich um: „Wenn man
denkt, wie es früher war. Da haben sich alle rund um den Tisch gesetzt und
gemeinsam gegessen“, sinniert Reininger und freut sich über das kleine bisschen Glück, das ein Pesto-
Workshop schaffen kann.

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